"...mit Baukunst oder gar Baukultur hat dieser Entwurf etwa soviel zu tun, wie eine Sylvesterrakete mit dem Apollo-Projekt."

Johannes Stumpf zu dem vom Rat der Stadt Duisburg abgesegneten  "Entwurf" der Firma Chapman Taylor Brune.

Tipp - Besuchen Sie die Seite "www.pro-mercatorhalle.de"

Unser Kreuzzug für die Mercatorhalle!

Gedanken eines Heimatforschers

Hier sehen Sie, wie man es besser machen kann! So könnte man die Mercatorhalle zu einem Kongresszentrum erweitern

Guinnessrekord sollte die Mercatorhalle retten! 

FEM live im WDR (Bilder)

 

Die Berichterstattung in der Duisburger Presse erweckt zur Zeit oft den Eindruck, als ob die verantwortlichen Redakteure nur das Konzept der Stadt für stichhaltig halten oder selbst keine Alternative zu diesem Konzept sehen. Beides führt zur einer durch nichts zu rechtfertigten Parteinahme. Die folgenden Beiträge von Johannes Stumpf, Architekt in Berlin, sind deshalb all denen zur Lektüre empfohlen, die für diese Stadt eine besondere Verantwortung tragen bzw. die Geschicke dieser Stadt z.B. auch durch Veröffentlichungen lenken können. 

Zunächst ein Leserbrief von Herrn Stumpf

Betreff: Mercatorhalle, Artikel von Mike Michel vom 16.03.

Ich verfolge nun schon seit einiger Zeit die Diskussion um den Erhalt der Mercatorhalle und das Casino-Projekt. Gerade in den letzten Tagen erscheint es mir, als hätten die Duisburger einschließlich ihrer Ratsherrn komplett den Kontakt zur Realität verloren.
Warum?

Nun, zuerst ist da mal die Tatsache, dass scheinbar kein Mensch mehr ernsthaft fragt, ob denn das Projekt "Casino-Liner" oder wie auch immer man es nennen will, wirklich nur am Standort der Mercatorhalle zu realisieren ist... Und das, obwohl es in der Innenstadt doch reichlich gut angebundene Brachflächen gibt, die entwickelt werden könnten (z.B. An der Steinschen Gasse vor der Marienkirche).

Die Standortentscheidung wurde, so viel ist klar, der Stadt von der Westspiel "aufs Auge gedrückt" ­ aber kann es denn wahr sein, dass die Westspiel die Leitlinien Duisburger Stadtentwicklungspolitik bestimmen darf? Hat sich irgend jemand mal die Mühe gemacht, die äußerst windigen Argumentation für die Standortentscheidung kritisch zu hinterfragen? Es fallen einem dabei ad hoc so viele ungeklärte Punkte auf, dass einem die Haare zu Berge stehen...(bei Interesse bin ich gerne bereit, Ihnen hier einige Beispiele zu nennen) Ich bin jedenfalls überzeugt, dass man an einem anderen Standort die selbe Investitionsmasse mit mehr Effekt für eine nachhaltige Stadtentwicklung umsetzen und gleichzeitig noch Geld für die Stadt sparen kann, in dem man die zweifelsohne funktionierende Halle erhält und im Besitz der Kommune belässt. Oder kann mir einer von Ihnen erklären, warum es günstiger sein sollte, in Zukunft 3,7 Mio Euro Jahresmiete für etwa aufbringen zu müssen, was derzeit keinen Pfennig Miete kostet, da im Besitz der Stadt?

Dann ist da natürlich noch die Frage nach dem Denkmalschutz. Irgend jemand, der wohl etwas vom Thema verstehen muss, hält die Mercatorhalle für schützenswert. Nach dem "warum" wird gar nicht mehr gefragt, stattdessen postuliert die Stadtspitze, der Denkmalschutz wäre "kein Problem". Ist das nicht ein bisschen vermessen gegenüber denen, die Kraft ihres Amtes und Ihrer besonderen Ausbildung ein Haus wie die Mercatorhalle auf die Denkmalliste setzen? Die eher lustlosen Versuche der Stadt, nachzuweisen, man habe nach Alternativen zum Erhalt gesucht, legen eine Arroganz zu Tage, die mich ehrlich erstaunt. Auch hier finden sich schon bei oberflächlicher Recherche eine Menge Ungereimtheiten und viel Schludrigkeit.

Schließlich bleibt die Frage, ob denn überhaupt sichergestellt ist, dass das Konzept des Investors aufgeht, der Neubau also tatsächlich den gewünschten Ertrag abwirft. Was passiert, wenn das nicht eintritt? Wie sieht die Innenstadt aus, wenn das neue "Einkaufszentrum" (das übrigens nicht mehr Fläche, als die "Galleria" haben wird) nicht läuft, und sich auch hier nach fünf Jahren Penny-Markt und Co. ansiedeln? Was, wenn in Folge die eigentlichen Duisburger Innenstadt um den Sonnenwall und das Areal
Beeck-/Münzstrasse weiter zurückfällt und dort noch mehr Läden geschlossen werden? Bislang hat jedenfalls kein unabhängiger Wirtschaftsprüfer das Konzept von Westspiel/Brune auf seine Machbarkeit und ggf vorhandene Gefahren hin durchleuchtet. Man glaubt einfach den Versprechungen der Investoren und tut so, als handele es sich um "Untersuchungen". Der Verdacht liegt nahe, dass hier sehr leicht der Bock zum Gärtner gemacht werden kann...

In diesem Zusammenhang bemerkenswert: Während Duisburg eine renommierte Spielstätte mit hervorragender Akustik schließt, entsteht in Dortmund eine völlig neue Konzerthalle mit hervorragendem Auftaktprogramm (unter anderem Kent Nagano und die Berliner Philharmoniker). In Dortmund reichen 800 Plätze, um das Haus wirtschaftlich zu betreiben, in Duisburg sind 1600 Plätze der vorhanden Halle zu wenig... Habe ich beim Rechnen in der Schule nicht aufgepasst, oder kann es sein, dass Wirtschaftlichkeit außer vom Gebäude vielleicht auch noch vom Marketing abhängt? In jedem Fall verlieren die Duisburger ohne eigene Spielstätte zuerst mal den Anschluss. Ob man das Versäumte nach 3 Jahren Bauzeit wieder aufholen kann?

Eine Menge offene Fragen also, und kein Grund für blinde Euphorie. Es bleibt zu hoffen, dass das Kultusministerium NRW den Duisburger Stadtoberen mal den Kopf zurechtrückt und weitere Untersuchungen fordert. Bis dahin empfehle ich den Damen und Herren die Lektüre des "Statusberichts Baukultur" der Bundesregierung ­ zu erhalten bei jedem internetfähigen PC unter der URL

"http://www.bmvbw.de/architektur-baukultur/download/statusbericht_set.html"

Hier folgen die Beispiele, die einem die Haare zu Berge stehen lassen

Ausgangssituation

Der Rat der Stadt Duisburg hat am 11.03.2002 beschlossen, die denkmalgeschützte Mercatorhalle abreißen zu lassen und durch ein Spielcasino mit Kongresszentrum und Shopping-Mall zu ersetzen.

Der Rat beruft sich hierbei auf §9 Abs. 2 b) des Denkmalschutzgesetzes NRW, wonach ein Denkmal abgetragen werden kann, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse dem Erhalt des Denkmals entgegensteht. Als Begründung wird angeführt, dass

-     das Vorhaben „Spielcasino“ in seiner derzeitigen konzeptionellen Form nur am Standort Mercatorhalle realisierbar wäre,

-     durch das Vorhaben erhebliche, an anderer Stelle nicht zu erzielende wirtschaftliche Vorteile für die Stadt entstehen.

Ich halte beide Annahmen für unzutreffend und gehe vielmehr davon aus, dass das Projekt erhebliche Gefahren für die langfristige städtebauliche Entwicklung Duisburgs mit sich bringt.

Die breite Akzeptanz des Projekts in der Duisburger Lokalpolitik führe ich darauf zurück, dass bislang alle wesentlichen städtebaulichen, betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Untersuchungen vom Initiator des Projekts, der Westspiel AG ohne Prüfung durch ein unabhängiges Gutachtergremium vorgenommen wurden; mithin also – umgangssprachlich formuliert – der Bock zum Gärtner gemacht wird.

  Die Standortfrage       

  Um die Standortdiskussion zu verstehen, muss man sich zuerst die Zielsetzung des Projekts „Spielcasino“ vor Augen führen: Das Nutzungskonzept sieht vor, gehobenes Spiel mit Kongressnutzung, Hotel, Entertainment, Dienstleistung/Büro und Einzelhandel zu kombinieren. Die Westspiel nennt als Vorbild für diese Funktionsmix das Casino am Potsdamer Platz in Berlin und stellt an den Standort folgende Bedingungen:

Innenstadtlage

 optimale Erreichbarkeit im 1-stündigen Einzugsbereich

sehr gute Straßenanbindung

ausreichende Stellplatzzahl

 sehr gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln

 kurze Wege zu weiteren Zielen in Duisburg

Diesen Anforderungen wird eine Vielzahl von verfügbaren Standorten in der Duisburger Innenstadt gerecht, somit wäre das Projekt grundsätzlich auch an anderer Stelle unter Erhalt des Denkmals realisierbar.

Lediglich die gewünschten Einzelhandelsnutzungen in dem geplanten Gebäudekomplex würden von der unmittelbaren Anbindung des Standorts Mercatorhalle an die Duisburger Einkaufszone besonders profitieren. Einen derartigen Lagevorteil bieten jedoch auch andere, bisher noch nicht konsequent entwickelte Orte in der Stadt (zum Beispiel im Bereich der derzeit stark unterentwickelten Duisburger Altstadt zwischen Steinscher Gasse, Münz- und Beeckstrasse).

  Die erwarteten wirtschaftliche Vorteile

Die Initiatoren des Konzepts gehen davon aus, dass in dem zuvor beschriebenen Nutzungsmix ein besonders hoher Innovationsgrad liegt und allein hierdurch der wirtschaftliche Erfolg des Konzepts bereits gesichert ist. Insbesondere die erwarteten Synergiewirkungen sollen hierzu beitragen.

Hier stellt sich zuerst die Frage, welche Nutzungen überhaupt voneinander profitieren können. Es liegt auf der Hand, dass beliebige Kombinationen von Funktionen nicht grundsätzlich synergetisch wirken müssen.

Die „internen Synergien“

Kongressnutzungen profitieren zweifelsohne von einem gut erreichbaren Freizeitangebot und der Nähe zu Hotels. Insofern ist die Funktionsachse „Kongress-Casino-Hotel“ sicherlich synergetisch wirksam.

Die mögliche Vernetzung mit Einzelhandel und Dienstleistung beschränkt sich jedoch erfahrungsgemäß auf Körperpflegebedarf und „Mitbringsel“.

  Die Freizeitaktivitäten Glückspiel, Gastronomie und Entertainment sowie Hotelerie können sich sicherlich ebenfalls wechselseitig stärken. Im Hinblick auf das Kaufverhalten des avisierten Nutzerkreises ist eine positive Wirkung auf den Einzelhandel aus dieser Nutzungsachse jedoch kaum als gesichert anzunehmen. Auch ist kaum zu erwarten, dass aus dem Kreis der „Käufer“ ein erhebliches Nutzerpotential für die Freizeiteinrichtungen gewonnen werden kann.

  Büronutzungen profitieren sicherlich kaum oder gar nicht von den unmittelbar erreichbaren Freizeitangeboten. Das Vorhandensein von Einkaufsmöglichkeiten ist für die geplanten Büros zwar grundsätzlich vorteilhaft, die zu erwartenden Synergieeffekte sind jedoch gering.

  Man kann somit zumindest vermuten, dass die vom Initiator erhofften internen Synergien sich nur bei einem Teil der geplanten Nutzungen überhaupt einstellen werden. Insbesondere unklar bleibt, welche besonderen internen synergetischen Wirkungen  die beabsichtigten Einzelhandelsnutzungen erzeugen können. Es ist deshalb nicht nachvollziehbar, warum die Nutzungsart „Einzelhandel“ im Hinblick auf die internen Synergien in der Gesamtkonzeption überhaupt erforderlich sein sollte.

  Die „externen Synergien“

Als mögliche positive Auswirkung des Projekts auf die Duisburger Innenstadt nennt der Initiator insbesondere eine „Frequenzgenerierung“, also einen Anstieg der Besucherzahlen der Innenstadt. Zweifelsohne wird das Projekt zumindest in den ersten Jahren seiner Existenz eine große Zahl auswärtiger Besucher nach Duisburg locken.

Hierbei stellt sich jedoch zuerst die Frage, mit welcher Intention (und zu welchem Zeitpunkt) die Besucher vornehmlich nach Duisburg kommen werden. Durch seinen Schwerpunkt auf Casino-, Freizeit- und Kongressnutzung wird das Projekt vor allem Besucher anziehen, die in ihrer Freizeit, d.h. also am Wochenende und Abends das neue Gebäude frequentieren; also zu einem Zeitpunkt, an dem der Einzelhandel üblicherweise geschlossen hat. Von diesen Besuchern ist deshalb wenig Belebung der Duisburger Innenstadt und damit geringer zusätzlicher Umsatz für den Einzelhandel zu erwarten.

  Sicherlich werden auch die im Komplex untergebrachten Einzelhandelsnutzungen zusätzliche „Frequenz“ generieren. Das relativ geringe Angebot (ca. 150 lfm Schaufenster) wird jedoch kaum ähnliche Aussenwirkung erzielen, wie z.B. das CentrO Oberhausen. Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass Besucher aus dem östlichen Ruhrgebiet, dem Raum Geldern oder den Niederlanden vom CentrO zum Einkaufen in die Duisburger Innenstadt abwandern.

Der Nutzerkreis des Einzelhandelsangebots wird also vornehmlich aus dem Nahbereich, das heißt aus Duisburg selbst kommen. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass aus dieser Nutzergruppe eine große Zahl von „Laufkundschaft“ für den Casinobetrieb generiert werden kann. Die anderen im Komplex geplanten Funktionen werden noch weniger von diesen Nutzern profitieren.

Darüber hinaus stünde diese Nutzergruppe auch zur Verfügung, wenn in den Komplex kein eigenes Einzelhandelsangebot integriert würde.

  Es steht eher zu befürchten, dass die insbesondere in der nordwestlichen Innenstadt (Kuhtor bis Innenhafen) zu beobachtenden Verslumungstendenzen durch Ladenleerstand durch das neue Angebot an Einzelhandelsflächen noch beschleunigt werden.

Fazit

Der Initiator hat keine nachvollziehbaren Unterlagen vorgelegt, die schlüssig und zweifelsfrei darlegen können, dass der wirtschaftliche Erfolg seiner Konzeption nur am Standort Mercatorhalle umsetzbar ist.

Insbesondere die Anordnung des Einzelhandelsteils unter einem Dach mit den anderen Nutzungen erscheint im Hinblick auf mögliche Synergieeffekte weder intern noch extern unmittelbar plausibel.

Es bestehen auch keine bautechnischen oder sonstigen Gründe, das Vorhaben auf dem Gelände Mercatorhalle zu realisieren.

Schon bei oberflächlicher Betrachtung wirft das Konzept der Westspiel eine große Anzahl ungeklärter Fragen auf.

Das öffentliche Interesse, das Konzept der Westspiel baulich umzusetzen, kann an anderer Stelle und unter Erhalt des Denkmals realisiert werden. Es gibt somit keinen Grund, den Abbruch des Denkmals zu gestatten.

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